Harfe

Harfen - Infos für Neueinsteiger

Du möchtest gerne das Spielen der Harfe erlernen und weißt nicht genau wie es los gehen soll? Durch diese Webseite möchte ich Dir ein paar Hilfen für Deine weiteren Entscheidungen mit auf den Weg geben.

Vorwort
Entstanden ist die Idee für diese Themenzusammenstellung durch die wiederkehrenden Fragen, die von Neueinsteigern im Harfenforum gestellt wurden. Kurz nach meinem eigenen Erst-Kontakt mit der Harfe habe ich die meisten Wissenslücken durch freundliche Forenmitglieder beantwortet bekommen und möchte nun ein Stück von diesem Wissen wieder zurück geben.

Bedenke bitte, dass die nachfolgenden Themen und Beschreibungen meine ganz persönlichen Meinungen, Vorlieben und Sichtweisen widerspiegeln und keinesfalls den Anspruch erheben, allgemeingültig oder grundsätzlich richtig zu sein. Ganz nach dem Motto: "Frage 5 Personen und Du erhälst 6 Meinungen!" Bevor wir also in die Themen einsteigen, möchte ich Dir die obersten drei Grundregeln ans Herz legen. Wenn Du Dich daran orientierst, hast Du den Weg zur Harfe praktisch schon von Allein geschafft - viel Spaß!

Drei Grundregeln
Ganz gleich was Du irgendwo (hier, in einem Wiki, vom Harfenonkel oder sonstwo) an Informationen über die Harfe findest oder was Dir jemand darüber erzählt (und sei er vermeintlich noch so fachkompetent) - die oberste Grundregel heißt: „Du musst es selbst ausprobieren!“

Die Bandbreite an Instrumenten, Ausführungen, Möglichkeiten, Variationen, persönlichen Empfindungen und Vorlieben ist unglaublich groß und Anfangs sicher verwirrend. Oft haben Forenmitglieder und Neueinsteiger deshalb gefragt, welche Harfe denn nun die Beste für sie sei. Die Antwort darauf ist sehr einfach: „Kommt darauf an …“ und diese Antwort bringt uns gleich zur zweiten Grundregel, die da heißt: „Du musst es selbst ausprobieren!“

Du hast im Internet oder einer Verkaufsplattform eine gebrauchte Harfe entdeckt und möchtest wissen ob sie zu Dir passt und ob sie gut ist? Ich mache es kurz – die dritte entscheidende Grundregel darauf heißt: „Du musst es selbst ausprobieren!"

Beim Spielen wirst Du die Harfe zwangsläufig mit beiden Händen "umarmen" und dabei einen sehr direkten und emotionalen (Körper-) Kontakt mit dem Instrument herstellen. Die Saitenschwingungen selbst und die dadurch erzeugten Obertöne übertragen sich auf Deinen Körper. Es kommt also nicht nur auf den Klang der Harfe an, wenn sie Dir jemand vorspielt - sondern vielmehr darauf was und wie Du die Harfe hörst wenn Du sie selbst spielst, begreifst und dabei erfühlst.


Was ist eine Harfe – Definition
Zeigt man in der Fußgängerzone einer beliebigen Person ein Foto mit einer Harfe, erkennen die Meisten auf Anhieb um was es sich handelt. Drückt man den Personen aber statt des Fotos gleich einen Block in die Hand und bittet sie darum eine Harfe zu skizzieren, wird es schon deutlich schwieriger. Die Grundform ist irgendwie dreieckig und das Instrument hat Saiten. Und dann waren da noch lange und kurze Saiten. Aber wo kommen diese Saiten hin und wie und wo werden die eigentlich befestigt? Spätestens bei der Frage, an welchem Ende der Harfenspieler sitzt – vorn oder hinten (und wo ist vorn?) steigen die meisten Menschen aus. Dabei sollte eigentlich schon jeder von uns eine irische Euromünze in der Hand gehabt haben. Auf der Rückseite findet man die keltische Harfe als Nationalinstrument der grünen Insel.

Die Harfe hat also oben einen Stimmstock, in dem die Saiten mithilfe von Wirbeln befestigt werden. Die andere Seite der Saiten wird auf der Innenseite einer wenige Millimeter dünnen Klangdecke über Knoten fixiert. Die Klangdecke bildet zusammen mit dem Korpus einen hohlen Resonanzkasten, der die Töne von der Saite „abnimmt“ und verstärkt. Da die Saiten eine definierte Spannkraft zur Tonerzeugung benötigen und dabei auch schon mal mehrere 100kg Zugkräfte zusammen kommen können, sorgt eine stabile Vorderstange/Säule für die nötige Stabilität und bildet mit dem Korpus und dem Wirbelstock ein Kräftedreieck.

Bei uns in Mitteleuropa assoziieren die meisten Menschen zum Begriff Harfe ein knapp 2 Meter großes, goldfarbenes Instrument, welches sich zusammen mit Geigen in einem Orchestergraben eines Opernhauses befindet. Gespielt von einer zierlichen Frau mit langem güldenen Haar die selbst kaum schwerer als das Instrument sein kann …

Es gibt also verschiedene Formen und Ausführungen von Harfen. Ich möchte sie für den Anfang in nur drei überschaubare Bereiche gruppieren.
1. Keltische Harfen / 2. Pedalharfen / 3. Andere Harfen

1. Keltische Harfen
auch „kleine Harfen“ oder Hakenharfen genannt, sind Instrumente bis zu einer Höhe von ca. 1,30m und mit bis zu 36 Saiten. Diese Harfen sind diatonisch in einer Tonart gestimmt. Einzelne Saiten können durch zusätzlich angebrachte Mechaniken (früher „Haken“) um einen Halbton erhöht werden ohne die Saite selbst in der Spannung zu verändern. Vom Gewicht liegen diese Harfen zwischen 3 und 12 kg.

2. Pedalharfen
gibt es in zwei Daseinsformen. Als Einfach-Pedalharfe („Volksharfe“ oder „Tiroler Harfe“) mit 37 Saiten und als Doppelpedalharfe (Konzertharfe) mit 47 Saiten. Im Gegensatz zur keltischen Harfe werden hier alle Halbtöne eines Tones gleichzeitig über ein Pedal erhöht und nicht jede Saite einzeln über eine von Hand zu bedienende Mechanik. Eine Doppelpedalharfe kann den Grundton nicht nur einmal, sondern sogar zweimal erhöhen – das Pedal wird zwei Mal getreten (deshalb Doppelpedal). Das Gewicht liegt bei 25 bis 45 kg, die Größe um die 2 Meter. Die Preise sind schnell im Bereich eines Mittelklasse-Autos.

3. Andere
Für den Anfang möchte ich auf alle weiteren Typen nicht weiter eingehen. Einen Typ - die Clàrsaich - beschreibe ich weiter unten. Als Beispiel seien hier für andere Harfen die Paraguay-Harfe, die Pleyel-Harfe oder die Kreuzsaitigen Harfen genannt. Wikipedia gibt dazu ausreichend Beschreibungen. In den mir bekannten Musikschulen beginnen auch die angehenden Doppelpedal-Harfenspieler zuerst mir einer kleinen, keltischen Harfe bevor sie nach einiger Spielerfahrung auf die Pedalharfe umsteigen (dürfen). Meine weiteren Ausführungen beziehen sich also, falls nicht anders angegeben, ausschließlich auf die in Punkt 1 genannten keltischen Harfen oder Hakenharfen.

Diatonik
Keltische Harfen sind üblicher Weise diatonisch gestimmt. Ich versuche mal es ganz einfach auszudrücken: wenn wir uns an unseren Musikunterricht der Schulzeit zurück erinnern, hat man uns die Stammtöne der klassischen Blockflöte in C-Dur mit der Tonfolge c-d-e-f-g-a-h-c nahe gebracht. Diese Tonleiter entspricht den weißen Tasten eines Klaviers. Die zusätzlichen schwarzen Tasten ergänzen die sieben diatonischen Grundtöne einer Oktave durch weitere 5 Halbtöne zu einer chromatischen 12 Tonfolge. Eine in C-Dur gestimmte Harfe verfügt also nur über die weißen Tasten in Saitenform. Andere Tonarten können durch Umstimmen der Saiten eingestellt werden oder durch zusätzlich angebrachte Halbtonmechaniken (siehe weiter unten).

Bevor wir das Thema im Detail weiter vertiefen, ist es notwendig eine Bezugsgröße für die keltische Harfe zu treffen. Weil mir kein sinnigerer Begriff dafür eingefallen ist, nenne ich sie einfach:

Die „übliche“ Harfe
So wie ein Klavier über einen bestimmten Vorrat an Tönen verfügen sollte, so ist es auch für die Harfe sinnvoll sich auf eine „übliche“ Saitenanzahl zu verständigen, um die gewünschten Musikstücke für den gemeinsamen Musikunterricht auswählen zu können. In den Musikschulen haben sich die 34saitigen keltischen Harfen etabliert, deren Tonumfang im Bass beim C der großen Bass-Oktave beginnt und dann 33 Saiten hinauf bis zum dreigestrichenen a verläuft. Das Saitenmaterial ist weißes Nylon und/oder Flourcarbon – selten Darm. Die Saiten der tiefsten Bass-Oktave sind mit silberfarbigem (Nickel-) Metalldraht umsponnen. Erwähnte ich schon, dass alle C-Saiten rot sind und alle F-Saiten blau oder schwarz? Bei älteren Besaitungen sind die metallumwickelten C und F – Saiten noch mit blankem (unlackiertem) Kupferdraht umsponnen. Der Abstand der Saiten zueinander ist in der Mitte etwa 15mm – genauso weit wie bei einer Pedalharfe, damit man später problemlos wechseln kann.
Die Saiten sind verhältnismäßig hart gespannt. Als Harfenspieler darf man also fest in die Saiten greifen und sich zu der richtigen Grifftechnik auch noch ordentlich Hornhaut auf den Fingerkuppen erarbeiten. Die Grundstimmung der Harfe ist Es-Dur. Alle Saiten verfügen über eine Halbtonmechanik um die Saite einen Halbton zu erhöhen.

Jetzt werden einige sagen: „Nein, bei mir ist das ja ganz anders“. Ich habe hier ja auch nur die Bezugsgröße einer „üblichen Harfe“ beschrieben. Dass es auch anders geht, werden wir gleich sehen.

Der Begriff „Hakenharfe“
Heutzutage wird die Saite durch eine hochwertige Halbtonmechanik erhöht. So eine Mechanik ist schon fast ein mechanisches Kunstwerk. In früheren Zeiten hat man einfach einen Nagel oder eine Schraube zu einem Haken (wie eine Krampe) gebogen und bei Bedarf die Saite durch eine halbe Drehung abgedrückt. Daraus entstand der äußerst unschöne Begriff der „Hakenharfe“. Leider wird er auch heute noch benutzt, obwohl es gar keine Haken mehr gibt. Oftmals werden sogar keltische Harfen, die über gar keine Halbtonmechaniken verfügen als Hakenharfen bezeichnet. Ich favorisiere hier den Alternativbegriff „keltische Harfe“.
By the way – in einigen Gebrauchtmarkt-Annoncen schleicht sich noch gern ein Buchstabe mit ein und macht eine Hackenharfe oder aber eine Harkenharfe daraus.
Mit Hacken hat die Harfe nun so gar nichts zu tun! Weder knallt man zum Salut die Hacken (Schuhabsätze) zusammen, noch hackt man die Harfe (mit einer Axt) kaputt. Und mit einer Harke kann man Obst aus dem Rasen harken oder das Gemüsebeet glatt ziehen, aber nicht mit einer Harfe!

Zählweise von Saiten
Die oben beschriebene "übliche" Harfe legt auch den Grundstein für die Zählweise der Saiten. Ausgehend von der obersten, kürzesten Saite fängt man mit der 1 an und zählt in Richtung Bass-Saiten aufsteigend weiter. Die längste und somit tiefste Bass-Saite ist also die Nummer 34. Habe ich eine 36saitige Harfe, die im Bass zwei zusätzliche (also längere und somit tiefere) Saiten dazu bekommt, zähle ich einfach bis 36 weiter. Bis hierhin ist es einfach, aber was mache ich, wenn noch höhere (und damit kürzere) Saiten dazu kommen sollen? Die Nummer 1 ist ja bereits für das dreigestrichene a (a’’’) vergeben. Die nächst höhere Saite (das h’’’) ist die Nummer 0 (Null). Noch eine Saite höher (das c in der viergestrichenen Oktave –> c’’’’) wird mit 00 (NullNull) benannt. Höhere Saiten werden eigentlich nicht benutzt, tiefere bei der Pedalharfe schon (bei 47 Saiten kommen da noch ein paar Nummern).
Eine Harfe, die alle in der unten gezeigten Grafik benannten Töne als Saiten verbaut hat, ist demnach 39-saitig, wobei die erste Saite die Nummer 00 trägt, aber die Saitennummer 1 der dritten Saite entspricht - alles klar?

Schau Dir dazu bitte auch einmal den Wikipedia-Artikel über die gestrichenen Oktaven an, damit Du einen Überblick über die Benennung der Noten in den jeweiligen Oktaven hast.

Wie viele Saiten braucht man denn nun?
Damit man sich das Beispiel der „üblichen Harfe“ bildlich vorstellen kann, möchte ich den Tonumfang doch noch einmal auf eine Klaviatur (Klavier-Tastatur) übertragen. Da unsere Harfe diatonisch ist, reden wir gerade nur von den weißen Tasten. Ein Klavier verfügt über 88 Tasten – davon sind 52 weiß. Die weiße Taste, die sich 3 Tasten links vom (in der Mitte befindlichen) Schlüsselloch der Klaviatur-Abdeckung befindet, ist ein c'. Daher auch der Begriff des „mittleren c“.


Bildvorlage aus Wikipedia übernommen - Link zum Originalbild

Unsere „übliche Harfe“ geht nun von diesem c' ganze 2 Oktaven nach links in den Bass – das sind 14 Tasten. Das Klavier hätte hier noch 9 tiefere Töne zu bieten, die wir nicht nutzen. Wenn wir auf die andere Seite der Klaviatur in den Diskant schauen und dort auch die obersten 9 Tasten wegstreichen, liegt dazwischen unser Notenbereich der 34-saitigen Harfe. Das sind fast 4 Oktaven von C bis a’’’ Deutlich mehr als unsere fast vergessene Schulblockflöte.

Tja, wie viele Saiten muss oder sollte eine Harfe denn nun haben? Das kommt darauf an, was Du mit ihr spielen willst und mit wievielen Saiten Du Dich zufrieden gibst … mehr ist immer gut – bedeutet aber auch immer eine baulich größere, höhere, schwerere Harfe.
Blöde Antwort – oder? Nach meiner persönlichen Meinung kann man durchaus mit einer Harfe starten, bei der die unterste Bassoktave fehlt. Wenn man von den „üblichen“ 34 also die unteren 7 Saiten der Bassoktave abzieht, kommt man auf 27 Saiten. Kompliziert macht es die Tatsache, dass bei den angebotenen kleineren Harfen nicht immer gleich klar ist, wo die Saiten denn "fehlen" oben und/oder unten? Die reine Saitenanzahl sagt also gar nichts über die Gebrauchsfähigkeit einer Harfe aus. Beispiel: Ausgehend von der 34-saitigen „üblichen“ Harfe nehme ich die untere (vordere) Bassoktave weg und auch die obere (hohe) Oktave im Diskant, weil man diese Saiten verhältnismäßig selten braucht. Bleibt nach der Konvention der Saitenzählweise der Bereich von 27 bis 07 über. Das sind 21 Saiten. Mit dem Bereich c bis h'' kann man schon so Einiges an Musik spielen. Leider haben 21- oder 22-saitige Harfen aus dem Handel meist einen ganz anderen Ton-Bereich und so nutzt mir die reine Angabe der Saitenzahl erst einmal überhaupt nichts für die Beurteilung des Nutzwertes. Am Ende der Webseite habe ich noch eine kurze Empfehlung für kleine Harfen zusammen gestellt.

Wie findet man das mittlere c ?
Dass alle C-Saiten an einer Harfe rot sind, erwähnte ich schon. Aber welche rote Saite ist das mittlere c? Bei der 34-saitigen Harfe ist es einfach. Dort gibt es 5 C-Saiten, die mittlere ist tatsächlich auch das mittlere c. Bei Harfen mit weniger Saiten ist es aber auf Anhieb nicht immer gleich so klar. Man kann einfach ein deutsches Telefon nehmen und sich das Freizeichen mit exakt 225 Hertz (ein kleines bisschen höher als das a) anhören. Das gesuchte c ist knapp 2 Noten höher und somit hörbar dicht dran.

Saiten - Material, Spannung, Abstände
Harfen-Saiten können aus verschiedenen Werkstoffen wie Nylon, Carbon oder Darm bestehen. Die dickeren Bass-Saiten sind zudem umwickelt. Im Kern befindet sich dann eine Nylon oder Stahlsaite, welche mit Nylon oder Metall umwickelt (umsponnen) wird. Als "Füllfasern" sind meistens noch Seidenfäden mit dazwischen.

Moderne Harfen sind oft so besaitet, dass die erste (höchste) Oktave mit Nylon bespannt ist, die tiefste Bassoktave mit metallumwickelten Stahlsaiten. Alle Saiten dazwischen in Carbon. Möchte man einen wärmeren/runderen Ton (und hat ein paar Euro zusätzlich über) können statt der Carbon- auch Darmsaiten aufgezogen werden. Der Harfenbauer hat das Saitenmaterial beim Bau der Harfe schon genau auf die klanglichen Vorgaben abgestimmt. So findet man beim Übergang von den mittleren Saiten zum Bass durchaus auch Nylon-umsponnene Saiten oder einige wenige Darmsaiten bei Carbonharfen, oder, oder, oder ... Es gibt da keine feste Konvention.
Wichtig zu wissen ist, dass jede einzelne Saite in Länge, Material und Dicke genau errechnet ist (sein sollte!). Man kann eine gerissene Saite somit nicht gegen eine beliebig andere Saite austauschen. Für jede Harfe sollte ein Besaitungsplan existieren, aus dem für jede einzelne Saite die genaue Spezifikation (Hersteller, Material, Typ, Dicke, Wicklung) ersichtlich ist.

Ein Saitenmaterial, und damit auch eine ganze Gruppe von Harfen, habe ich bisher verschwiegen: Die Metallsaitenharfen - die sogenannte Clàrsach (Einzahl) oder Clàrsaich (Mehrzahl). Traditionell sind diese Clàrsaich mit Drähten aus Bronze oder Messing besaitet. Modernere Clàrsaich können auch mit Stahl-Drähten (sogar Edelstahl!) besaitet sein. Der Klang von Metallsaitenharfen ist ganz anders als bei Nylon, Darm oder Carbonsaiten. Sphärischer, schwebend, silbrig, eben metallischer. Die Spielweise weicht zumeist auch deutlich von der herkömmlichen Spielweise weiter oben beschriebener Typen ab. Während die Nylon-, Carbon-, Darmsaiten mit den Fingerkuppen gezupft werden, kommen bei der Metallsaitenharfe die Fingernägel zum Einsatz. Dafür kann eine Clàrsach etwas platzsparender gebaut werden - wenn nur die Fingernägel zwischen die Saiten passen müssen und nicht der ganze Finger, können die Saiten deutlich enger zusammen rücken.

Als Saitenabstand hat sich bei den keltischen Harfen oder Hakenharfen, die in Musikschulen zum Einsatz kommen, ein mittlerer Saitenabstand von ca. 15 mm etabliert. Das entspricht dem Saitenabstand einer Pedalharfe und so kann der Wechsel zum größeren Instrument problemlos mit der gleichen Grifftechnik erfolgen. Zumeist sind diese Schulharfen fast ebenso hart besaitet wie die Pedalharfen, um das gleiche Griffgefühl von Anfang an zu erlernen.

Allerdings gibt es zunehmend Harfenspieler, die gar nicht vorhaben irgendwann später von ihrer geliebten "kleinen, keltischen Harfe" auf eine Pedalharfe zu wechseln. Diese bevorzugen zumeist einen etwas engeren Saitenabstand und eine geringere Saitenspannung. Bei gotischen Harfen ist die Saitenspannung nochmals etwas geringer. Man sollte also schon Beizeiten wissen, wohin die musikalische Reise auf der Harfe gehen soll. Saitenspannung, Saitenmaterial und Saitenabstand sind Variablen, die man einfach selbst ausprobieren muss, um zu wissen, was einem liegt - oder im Umkehrschluss: was sich gar nicht "gut" anfühlt. Du erinnerst Dich noch an die drei Grundregeln oben???

Ich selbst bevorzuge für die keltische Harfe mit Carbon- oder Darmsaiten einen etwas geringeren Saitenabstand von 14 mm und eine mittlere ("keltische") Saitenspannung. Allerdings spiele ich auch auf einer Metallsaitenharfe gern mit dem (dann gefühlt großen) gleichen Saitenabstand von 14 mm und benutze zum Spielen die Fingerkuppen und nicht die Fingernägel. Du siehst, dass es nicht nur "DIE" Ausführung oder Spielweise schlechthin gibt, sondern dass auch ein "Sowohl-als-auch" möglich ist.

Woher bekomme ich meine Harfen ?
Harfen sind Rudeltiere und ich kenne fast niemanden, der mittelfristig "nur" eine Harfe besitzt. Manchmal laufen die Harfen einem auch einfach zu. Der Ausspruch, dass man die Harfe nicht selbst aussucht, sondern die Harfe ihren Besitzer auserwählt, hat sich schon manches Mal bestätigt.

Es macht auch keinen Sinn nach der allseits bekannten "Eierlegenden-Wollmilchsau" Ausschau zu halten. Bleib bei Deiner Suche und Auswahl realistisch. Weder gibt es die leichte 36-saitige Reiseharfe, noch kann es eine Wunderharfe zum Taschengeldpreis geben.

Prinzipiell gibt es nur drei Möglichkeiten zu einer Harfe zu gelangen: Leihen, Kaufen oder selber Bauen.

1.Leih-Harfe
Einige Harfenhersteller bieten ihre Harfenmodelle als Leihharfen an, die man ein halbes Jahr lang mieten kann und das Instrument anschließend entweder wieder zurück gibt oder ab dann kauft. Dabei wird meistens der Leihpreis beim Kauf mit angerechnet. So kann man über einen längeren Zeitpunkt die Harfe in gewohnter Umgebung vor dem Kauf ausgiebig testen. Zum Beispiel bei folgenden Anbietern: Henrik Schupp, Musikhaus Fackler, Harfenland um nur einige zu nennen.
Normalerweise bieten auch Musikschulen und/oder Harfenlehrer für Neueinsteiger Leihharfen aus dem eigenen Fundus an oder können diese zumindest vermitteln. Dabei handelt es sich aber überwiegend um Hakenharfen, die zuvor bereits durch zig Hände gegeben wurden und eine vergleichsweise feste (Pedalharfen-) Saitenspannung aufweisen.

2.Harfenkauf
In Deutschland haben wir die größte Dichte an Harfenbauern und Manufakturen. Es sollte also für jeden Anspruch und Ausführungswunsch etwas dabei sein. Um die Qual der Wahl etwas zu vereinfachen, würde ich Dir raten einmal an einem der jährlich stattfindenden Harfenfestivals (z.B. Harfentreffen) zu besuchen. Neben den zahlreichen Harfen der Kursteilnehmer sind in wechselnder Besetzung auch immer verschiedene Harfenbauer mit ihren Ausstellungen vor Ort. Nirgendwo sonst bekommt man die Möglichkeit so viele verschiedene Harfen an einem Fleck zu bewundern und zu spielen. Verfügbarkeit und Preis sollten nach meinem Dafürhalten nicht die einzigen Entscheidungskriterien für einen Kauf sein. Eine industriell gefertigte Harfe von Camac, Salvi, Lyon & Healy, oder Aoyama ist meist sofort "von der Stange" verfügbar und muss nicht schlechter sein als eine Harfe vom Harfenbauer. Auf eine individuell gefertigte Harfe vom Harfenbauer muss man zwar in der Regel meist ein Jahr ab Beauftragung bis zur Fertigstellung warten - kann aber so ziemlich jeden Sonderwunsch mit in den Bau einfließen lassen. Mir persönlich ist es zudem wichtig zu wissen, wer der Erbauer meiner Harfe ist. Mein Anspruch ist, mit auszuwählen aus welchem Holz das Instrument gefertigt wird, welche Mechaniken die Harfe erhält und wie Gestaltungselemente umgesetzt werden. Eine Linkliste von Harfenbauern und Manufakturen habe ich am Ende angefügt.

3.Baukurs / Selbstbau
Harfenbauer bieten immer mal wieder die Möglichkeit an, sich in einem mehrtägigen Baukurs in kleinem Personenkreis selbst eine Harfe unter fachkompetenter Anleitung zu bauen. Am bekanntesten dürfte hier die Klangwerkstatt sein, bei deren Baukursen man ein Instrument aus weitestgehend vorgefertigten Teilen aufbaut. Aber auch Frank Sievert, Henrik Schupp und einige weitere Harfenbauer bietet immer mal wieder Kurse an, in denen man sein individuelles Instrument (auch teilweise) mitgestalten kann. Besonders erwähnen möchte ich Bernhard Schmidt, der als einziger mir bekannter Harfenbauer einen Baukurs ohne vorgefertigte Teile anbietet - die Harfe im Baukurs also komplett aus der Holzbohle heraus entsteht. Komplette Harfenbausätze zum Selbstbau werden zum Beispiel von Klaus Regelsberger oder aus Übersee von Musicmaker oder Stoney-End angeboten.

Ein Wort zu Billigharfen aus Fernost
Auf keinen Fall kaufen! Das Preis-/Leistungsverhältnis ist katastrophal! Die Harfen sind grobschlächtig verarbeitet und klingen wie ein Wäscheständer. Zudem funktionieren bei den meisten Pakistan-Harfen nicht mal die Stimmwirbel richtig. Ein weiteres Argument ist der Holz-Raubbau und die Harfen-Herstellung unter einfachsten Bedingungen hinter der Urwald-Hütte. Mehr zum Thema hier im Harfenforum

Spielen lernen
Ein guter Anlaufpunkt zum Erlernen des Harfenspieles sind die Musikschulen der größeren Städte oder man macht einen Aushang in Musikhochschulen. Mittlerweile wächst auch die Zahl der freien Harfenlehrer, die sich nicht an Musikschulen angegliedert haben. Man kann sich das Spielen aber durchaus auch autoditaktisch beibringen. Hilfreich ist es dabei vielleicht, sich die grundlegenden Schritte von einem erfahreneren Spieler einmal zeigen zu lassen. Zudem werden auf Festivals wie dem Harfenfest, Harfentreffen, Harfensommer, süddeutschen Harfentreffen, den Celtic-Days in Hude oder in Spielkreisen der Burg Fürsteneck thematische Harfenkurse - auch Anfängerkurse - angeboten. Harfenlehrer wie Thomas Breckheimer bieten über das Jahr verteilt Workshops an, in denen man in kleinen Gruppen das Spielen der Harfe von Grundauf erlernen kann. Einen ersten Einstieg bietet die deutsche Online-Harfenschule.

Weiterführende Literatur / Harfenschulen
Für die Auffrischung der Noten-Schrift fand ich ein grosses DIN-A1 Musiklehre-Poster und die Harmonielehre mit dem Quintenzirkel aus dem Voggenreiter-Verlag sehr hilfreich. Harfenschulen in Heftform (meistens spiralgeheftet) gibt es zum Beispiel von Uschi Laar, Reidun Schlesinger oder auch einige in englischer Sprache, beispielsweise Sylvia Woods. Mittlerweile haben sich die Spielhefte von Christoph Pampuch als Grundrepertoire weit verbreitet.

Forum / Wiki
Die deutschsprachige Community trifft sich für alle Themen rund um die Harfe im Harfenforum. Daraus hervorgegangen ist eine Wissensdatenbank in Form eines Wiki (befindet sich im Aufbau).

Harfen-Hersteller
Damit meine ich industriell in Produktionsstraßen hergestellte Instrumente einiger bekannter Hersteller

Harfenbauer
Beim Instrumentenbauer entstehen die Harfen einzeln und von Hand gefertigt (auch und gerade nach individuellen Wünschen). An dieser Stelle findet sich eine unvollständige, alphabetische Liste meiner persönlichen Empfehlungen.

Übersicht von "kleinen" Harfen
Eine Auswahl von preisgünstigen Starter-Instrumenten. Bis auf die Isis habe ich alle schon einmal selbst in der Hand gehabt. Es handelt sich um "richtige" Harfen mit denen man durchaus glücklich werden kann und die einen ausreichenden Saitenumfang haben. Mehr ist zwar immer gut, aber weniger als 25/26 Saiten würde ich nicht empfehlen. Üblicherweise fängt eine 27saitige Harfe im Bass mit einem C an und geht dann dreieinhalb (3,5) Oktaven rauf zum a''' Bernhard hat bei seiner Iona die höchste Saite (a''') weg gelassen und dafür vorn eine Bass-Saite mehr spendiert (von A bis g'''), was ich praxisnäher finde.

Schlusswort
Als Harfenist ist man nicht nur Musizierender - meistens entwickelt sich daraus auch eine etwas veränderte Lebenseinstellung oder Wahrnehmung. Und vorsicht - Harfe spielen macht extrem süchtig! In diesem Sinne wünsche ich Dir viel Spaß beim Entdecken.