Photographie

Mit der Kamera durch die Zeit

Angespornt durch die lockere Art von Alexander Borell, an photographische Problemstellungen heran zu gehen, bin ich in den 1980ern zur Spiegelreflex-Photographie gekommen. Borell verstand es, auch komplizierte Zusammenhänge des photographischen Alltags durch seine sprachlich sehr eigenen Kommentare zu vermitteln. In seiner Zeit als freier Kolumnist der Zeitschriften "Color-Foto" und "Foto-Magazin" hat er versucht, das Thema Photographie aus seiner pragmatischen Sicht der Dinge heraus zu erklären. Die unten stehenden Satzkonstrukte sind dabei typisch für ihn. Seinerzeit habe ich mit einer Spiegelreflex-Kameraausrüstung der Marke Konica angefangen.

Anfang der 1990er Jahre bin ich wegen dem unaufhaltsamen Einzug der Elektronik in SLR-Kameras zu Nikon gewechselt. Was heute an Grundfunktionen voraus gesetzt wird, war zu der Zeit eine Revolution. Autofokus, Programmautomatik, eingebauter Filmtransportmotor, automatische Filmeinfädelung und elektronische Blitzsteuerungen waren Highlights der damaligen Nikon F-Serie! Insbesondere die Modelle F-4, F-801s und F-90x, mit denen ich jahrelang photographiert habe. Nur für besondere Szenerien kam ab und an noch mal die 6x6 Mittelformatkamera zum Einsatz - heutzutage kann man sich den ehrfürchtigen, photographischen Umgang mit einem Lichtschachtsucher auf einer Hasselblad gar nicht mehr vorstellen.

Die Anfänge der Digitalfotografie wurden noch belächelt und abgetan. Niemand konnte sich vorstellen, dass ein Filmsensor jemals so detail- und kontrastreich auflösen könnte wie der Dynamikumfang eines Kodachrome Dia-Filmes mit 25 DIN. Ich erinnere mich noch gut daran, dass zur EXPO-2000 Busladungen asiatischer Besucher alles mit kleinen Digicams geknipst haben und ich mit meinen Kollegen kopfschüttelnd zuschaute, wie dort unzählige grünstichige, verwaschene Bilder auf CF-Karten mit 512 MB landeten.

Ende 2005 habe ich mich dann überreden lassen eine digitale Spiegelreflexkamera von einem Pressephotographen zu kaufen. So bin ich zu meiner ersten Digitalkamera-Ausrüstung gekommen. Eine Nikon D100 mit Vertikalhandgriff und großen, mächtigen Objektiven. Seit dem ist der klassische Chemiefilm fast vollständig vom Markt verdrängt und Digital ist unser Standard geworden.

Längst bin auch ich zwischenzeitlich zur nächsten, übernächsten und aktuellen Kamerageneration gewechselt. Zu den Profi-Systemkameras mit Wechselobjektiven und Funktionalitäten weit, weit jenseits von "historischen" Schwingspiegeln oder einem optischen Pentaprisma mit Microprismenring und Schnittbildindikator.

Für nostalgische Rückblicke habe ich im Archiv ein paar Konica - Flyer und Bedienungsanleitungen eingescannt um sie der Nachwelt zu erhalten.


Zitate von Alexander Borell:

Mit der Kamera unterwegs auf Motivjagd zu sein, bezeichnete Borell sehr eingängig mit:

"Spazifotieren"

"Eine gute Automatik ist wie ein begabter Anfänger. Sie macht nichts völlig falsch, aber auch nichts ganz richtig."

"Entscheidend ist der patentierte Fuß, der wie kein anderes Einbeinstativ des Marktes die 'rotative Verzitterung' dämpft!"

"Bei Sonnenschein zeichnet schließlich jeder Flaschenboden scharf ..."