Saitenmaterial

Nylon ist der Markenname für Polyamid 6.6 (PA 6.6) von DuPont. Eigentlich 1938 erfunden als künstliche Faser für Damenstrumpfhosen, erlangte das Material einen größeren Durchbruch in Form von Angelsehnen. Nylon wird praktisch seit knapp 20 Jahren im Europäischen Bereich gar nicht mehr als Musiksaite verwendet. Auf dem amerikanischen Kontinent wurden Nylonsaiten noch deutlich länger verbaut und sind gelegentlich heute noch bei aktuellen Instrumenten im Einsatz. Bei einigen neuen Instrumenten aus dem asiatischen Raum im unteren Preissegment kommt auch aktuell noch Nylon als Saitenmaterial zum Einsatz. Nylon nimmt etwa 3,2 % Luftfeuchtigkeit auf.

Tynex ist ebenfalls ein Markenname von DuPont. Allerdings handelt es sich hier um Polyamid 6.12 (PA 6.12). Jeder von uns benutzt das Material täglich in Form von Borsten an einer Zahnbürste. Reden wir umgangssprachlich von Kunststoffsaiten, meinen wir Tynex-Saiten, auch wenn wir fälschlich Nylon sagen. Jedenfalls sofern es sich um halbwegs aktuelle Instrumente handelt und wir uns in Europa befinden. Der Unterschied zwischen Nylon und Tynex ist wichtig zu wissen. Man sollte eine Nylon-Saite nicht einfach mit einer Tynex-Saite gleicher Stärke ersetzen. Durch das unterschiedliche, spezifische Gewicht haben die Saiten bei gleicher Dicke eine andere Zugspannung und Bruchlast! Tynex nimmt nur 1,4 % Luftfeuchtigkeit auf und ist damit deutlich stimmstabiler als Nylon.

Nylgut ist der Markenname von Aquila-Corde für eine Saiten-Kunstfaser, die einer Darmsaite entspricht. Also synthetischer Darm aus Polyoxymethylene (POM). Nylgut kommt klanglich sehr dicht an den warmen Sound von Darmsaiten heran und fühlt sich beim Spielen auch so an. Die erste Generation Nylgut (entwickelt 1997) war noch dentalweiß. Aktuelles Nylgut (New Nylgut) ist darm-farbig und auf den ersten Blick nicht als Kunstfaser zu erkennen (siehe Nechanice). Mit einer Feuchtigkeitsaufnahme von 0,1 % ist Nylgut das stimmstabilste Saitenmaterial.
Achtung - hier kommt es wegen Namens-Ähnlichkeiten und Fehl-Benutzung oft zur Verwirrung.
- Nylgut ist von Aquila-Corde (Kunst-Darm) und nur das ist hier gemeint.
- Unter gleicher Bezeichnung "Nylgut" hat Glissando eine zeitlang dickere Saiten, vermutlich aus Dralon (Polyacrylnitril) verwendet!
- Silkgut ist ebenfalls Kunst-Darm von Aquila-Corde - ursprünglich entwickelt als Saitenmaterial für Ukulelen (Aurora). Dementsprechend ist Silkgut geringfügig härter (steifer) im Griffgefühl als Nylgut. Aquila-Corde produziert Silkgut als "Co-Branding" für Bow Brand (Salvi-Gruppe). Aus Marketing-Sichtweise entspricht Silkgut also Nylgut das von Bow Brand für Salvi, Lyon&Healy und andere Harfenhersteller auf dem freien Markt vertrieben wird.

Karbon besteht aus dem Compositmaterial PVDF. Polyvinylidenfluorid ist ein teilkristalliner, thermoplastischer Fluorkunststoff, der durch Polymerisation hergestellt wird. Composit bezieht sich hier nicht auf unterschiedliche Materialien, sondern auf den unterschiedlichen Aufbau der Saite aus einem oder mehreren Saitenkernen, die zur fertigen Saite "vergossen" werden. Bei Saiten ab 0,95 mm mit einer Lupe gut zu erkennen. Laienhaft könnte man sich das als "unterschiedlich verbackene Bereiche" vorstellen ;-)
Karbonsaiten sind deutlich dünner als Nylon, Tynex oder Nylgut. Durch den geringen Durchmesser ist die Saite flexibler (Saitensteifigkeit) und kann beim Anzupfen freier (und somit länger und auch obertonreicher) Schwingen. Zudem ist das Material deutlich strapazierfähiger als z.B. Tynex. Wenn heute eine keltische Harfe verkauft wird und es kein Darm sein soll, sind häufig Karbonsaiten als "Standard" aufgezogen (beispielsweise Kürschner-Flourcarbon oder KF-Savarez). Die Namensgleichheit der Typenbeschreibung "KF" bei Savarez lässt mich vermuten, das PVDF-Saiten ein Co-Branding vom Erfinder Kureha sein könnten. Karbon nimmt nur 0,46 % an Luftfeuchtigkeit auf.

Darm ist das historische Saitenmaterial, was sich auch heute noch einer großen Beliebtheit erfreut. Darmsaiten haben einen typisch "warm-darmigen" Klang. Heutige Darmsaiten sind lackiert und bedürfen eigentlich keiner Pflege mehr. Frühere, unlackierte Saiten mussten dagegen ab und an geölt werden, damit sie geschmeidig bleiben. Im Laufe ihres Lebens frisseln Darmsaiten beim Spielen langsam auf und reißen öfter als Kunstsaiten. Darmsaiten nehmen bis zu 20% Luftfeuchtigkeit auf und verstimmen sich deshalb gerne. Historische (unlackierte) Darmsaiten nehmen sogar satte 35% Luftfeuchtigkeit auf.

Stahl kennen wir als klassische Klaviersaite. Das spezifische Gewicht orientiert sich an den Röslau -Saiten

Messing - genau genommen Gelbmessing (CuZn30) wird als Saite im Cembalo eingesetzt. Rotmessing (CuZn10) ist etwas dünner und klingt "feiner". Rotmessing kommt im Spinett zur Anwendung.

Bronze - Phosphorbronze (CuSn6) wird gern auf Westerngitarren, Monochorden oder auf historischen Clarsachs gespielt. Bronze klingt nicht so "sirrend-metallisch" wie Stahl und erzeugt viel mehr "sphärische" Obertöne.

Kupfer ist hier in der Form der "blanken Saite" mehr als experimentelles Material im Saitenrechner. Eigentlich ist Kupfer zu weich und "zerfliesst" wenn man es unter Spannung setzt.
Allerdings bestehen die meisten Umspinnungen der Bass-Saiten aus (versilbertem oder lackiertem) Kupferdraht.

Silber - Mittlerweile ist es historisch belegt, dass die vorderen Bass-Saiten altirischer Clarsachs aus Sterlingsilber (Ag 935) bestanden. Einige Freunde alter Metallsaitenharfen um Ann Heymann und Bill Taylor spielen wieder auf Silbersaiten (Silverstring-Report).

Gold - Feingold (Au 999) dürfte mittlerweile mehr eine Geldanlage sein. Es gab und gibt aber einige Harfen mit Bass-Saiten aus Gold. Goldsaiten sind sehr dünn - eine entsprechende Stahlsaite ist 3x dicker, eine Tynexsaite wäre fast 20x dicker. Für die Verwendung als Saite kommt allerdings kein Reingold (24 Karat) sondern eine Goldlegierung mit 18 Karat Gold (Au 750) zum Einsatz. Das Saitenmaterial besteht also zu 3/4 aus Gold. Das restliche Viertel kann aus Silber (dann sieht es grünlichgelb aus) oder Kupfer (schimmert orange - fast Rotgold) bestehen.
18 ct aus 75% Gold + 25% Silber = Au750Ag250 = spezifisches Gewicht 15900 kg/qm
18 ct aus 75% Gold + 25% Kupfer = Au750Cu250 = spezifisches Gewicht 14800 kg/qm

Aramid - wohl besser unter dem Markennamen Kevlar von DuPont bekannt, findet als Füllfaser (Kunstseide) bei umsponnenen Metallsaiten Verwendung. Aramid ist leicht gelblich und hitzebeständig bis 345 Grad.